Von dem Hof und dem Dreck
nach dem Tod meines Vaters wäre ich nie entronnen, wenn nicht eines Tages
der alte Larsson persönlich aufgetaucht wäre. Er sagte, „ich nehme
Euch Eure ganze Rübenernte ab, wenn Ihr mir Tronde als Hilfe zum Verkauf
mit dazugebt.“ Sie murrten zwar etwas, aber da die Rüben schon zu
faulen anfingen und der Winter vor der Tür stand, wo ich als Esser nur störte,
willigten sie ein.
Die nächsten Tage waren
nicht leichter für mich, mussten doch die Rüben an den Anlegesteg
gebracht werden, wo das kleine Handelsboot von Larsson stand. Als die
Arbeit getan war nahm mich Larsson zur Seite zündete seine Pfeife an und
meinte: „Ich bin schon alt, nimm Du mein Schiff und die Rüben, verkaufe
sie drüben in Seeland und werde Händler wie ich. Bringe mir jeden Herbst
etwas Tabak, den zehnten deiner Einnahmen und ein paar Geschichten aus der
weiten Welt mit und mache der wurmstichigen Gudrid alle Ehre, sie ist
bekannt in allen Häfen der Ostsee. Ich gebe dir Erik als Schiffsjungen,
den alten Jannes fürs Steuer und Thors Segen zur Seite und hoffe Dich
noch vor dem Winter wiederzusehen.“ Er lächelte mich an blies ein paar
Rauchringe in den Abendhimmel und schlurfte heimwärts. Ich übernachtete
überglücklich auf dem Boot und stach am nächsten Morgen mit Erik und
Jannes Richtung Seeland in See. Als wir zwei Tage später Trelleborg
erreichten, wurden uns die Rüben nur so aus den Händen gerissen.
Winterlager mussten angelegt werden und so machten wir gute Geschäfte.
Ich kannte Trelleborg von zwei früheren Fahrten, doch es war wie immer
beeindruckend zu sehen welch ein buntes Treiben an dem Handelsplatz
herrschte. Ich kaufte gut ein, viele Dinge, die es auf unserer kleinen
Insel kaum gab, für die man leicht das doppelte bekommen konnte. Wenige
Tage später legten wir ab und erreichten noch vor den Herbststürmen Møn,
wo ich nachdem wir das Schiff winterfest gemacht hatten, dem alten Larsson
ein gutes Säckchen Geld von dem erhaltenen Erlös geben konnte.
„Tronde fass mal mit
an.“ Arnulf riss mich jäh aus meinen Träumen. Er versuchte gerade eine
der schweren Kisten auf den Wagen zu heben, in denen wir unseren Lagerkram
verstauten. Schnell hatten wir alles eingeladen und Arnulf sagte mir, dass
wir in Kürze aufbrechen würden. Zeit genug für eine Pfeife, eine
Leidenschaft, die ich vom alten Larsson übernommen hatte. Schon merkwürdig,
jetzt mit diesem Tross auf dem Landweg zu reisen, wo ich doch mit der See
so verbunden war, fast für immer...
Viele Jahre bin ich mit
der wurmstichigen Gudrid unterwegs gewesen habe mal mehr mal weniger Waren
und Geld nach Hause gebracht, so dass wir auch dann noch gut über den
Winter kamen, als der alte Larsson schon lange keinen zehnten Teil mehr
entgegen nehmen konnte. Immer hatten wir das Schiff im Frühjahr wieder
flott gemacht, so dass wir selbst bis ins Rus gereist waren.
Doch der letzte Sommer
war von den Göttern verflucht. Zweimal sind wir in schwere Stürme
gekommen und verloren die halbe Ladung, dann vor Wollin kam unser voll
beladenes Schiff in ein schweres Gewitter und ich sah das der letzte Tag für
unser treues Gefährt hereingebrochen war. Jannes versuchte gegenzuhalten,
erspähte zwischen den Wellen den grünen Schimmer des Festlandes. Als
eine schwere Welle ihn von Deck spülte gab ich uns verloren. Auf Deck
kniend flehte ich Thor an, uns noch dieses eine mal zu verschonen und ich
schwor, nie wieder zur See zu fahren, wenn er mich verschonte. Ein Blitz
schlug in den Mast ein und zerteilte mit ihm das Schiff. Erik und ich
hielten uns an leichten Kisten fest bevor wir über Bord gingen. Thor sei
Dank hatte uns Jannes wirklich in Richtung Land gesteuert und so
erreichten wir müde und entkräftet die Küste bei Wollin.
Meine Pfeife war
ausgegangen. Die Erinnerungen lagen noch schwer auf meinem Gemüt. Mit
viel Glück hatte ich in Wollin das Handelsschiff gegen den Handelswagen
tauschen und viele neue Weggefährten finden können. Arnulf winkte zum
Aufbruch, schnell war ich auf dem Wagen, hatte ich doch die verlockende
Aussicht, schon morgen in Haithabu zum Markttag zu kommen.