Weiter kam er nicht, weil der Sklavenhändler
sich in den Weg stellte und brüllte: „Bring’ mir nicht die Auslage
durcheinander! Oder habt ihr, Interesse an meinem Sortiment? Er ist nicht
ganz billig, zwar auch nicht mehr ganz frisch aber willig und sehr erfahren!
Er kann wohl auch mit Runen umgehen." Er machte einen Schritt auf mich zu,
riss meinen Mund auf und pries mein fast vollständiges Gebiss. Zur Strafe
biss, ich ihn in die Hand!
Bevor der Sklavenhändler mich in der sonst
üblichen Art und Weise züchtigen konnte, bot Thoranor einen lächerlich
niedrigen Preis. Nach dem empörten Aufkeuchen des Sklavenhändlers folgte ein
Feilschen wie auf den Märkten der Ibns, an dessen Ende Thoranor die Vorzüge
einer ruhigen Nacht pries und der Sklavenhändler daraufhin erstaunlich
schnell einwilligte.Thoranor nahm mich daraufhin genüsslich am Halsring und
zerrte mich zum nächsten Schmied. Während ich dort mit, dem Kopf auf dem
Amboss lag, zogen die letzten 3 Jahre meines Lebens in Windeseile an mir
vorbei:
Als erstes sah ich das Gesicht der Frau des
Bruders meines Ziehvaters, also meiner Ziehtante in Miklagard, wie sie mich
lüstern anlächelte und mich mit ihren Blicken entkleidete. Immer wieder kam
sie nachts an die Tür meines Zimmers und probierte, ob ich nicht vergessen
hatte, den Riegel vorzuschieben. Zu meinem Glück hatte sie nie erfahren,
dass ich weniger Gefallen an ihr fand als an ihren drei Töchtern.... bis zu
diesem Abend. Leise knarrend öffnete sich die Tür und meine Ziehtante
huschte - erotisch wie ein kaltes Fischsuppenbad - in mein Zimmer hinein.
Diesmal hatte ich den Riegel vergessen und das Unheil stürzte auf mich ein
und bedeckte mich mit feuchten Küssen. Es hätte mich auch ereilt, wäre nicht
in diesem Augenblick das Bett unter uns zusammengebrochen und hätte damit
meinen Ziehonkel auf den Plan gerufen. Laut brüllend stürmte er mit seinen
zwei Kämpen und einem schweren Dolch ins Zimmer. Bevor ich etwas sagen
konnte, beschuldigte meine Ziehtante mich unter wüsten Beschimpfungen der
Unzucht. Mein Ziehonkel, blind vor Wut, ließ mich in Ketten legen und am
nächsten Morgen auf die Galeere eines befreundeten Handelskapitäns bringen.
Dort verbrachte ich die nächsten Jahre und erlernte einige nützliche
Fähigkeiten wie das Schnarchen im Takte der Ruderschläge, um dem übermäßigen
Genuss von Peitschenhieben vorzubeugen. Außerdem härtete die dürftige
Galeerenkost meinen Magen extrem ab, so dass selbst madiges Brot und
fauliges Fleisch mir nichts mehr ausmachten, und mein ohnehin nicht
hässlicher Körper gewann einige attraktive Rundungen hinzu.
Das Anlegen in Miklagard gestaltete sich
immer wenig erfreulich, da meine Ziehtante keine Gelegenheit ausließ, doch
noch ihre erotischen Fantasien an mir auszuleben. Da man es aber unterlies,
die anderen Sklaven zeitweise von ihren Bänken zu entfernen, war mir das
gesammelte Mitleid meiner Leidensgenossen gewiss.
Eines Tages, wir legten gerade in Haithabu
an, riss dem Freund meines Ziehonkels und Kapitäns der Galeere der
Geduldsfaden, der wegen anhaltendem Schlafmangels ohnehin schon sehr dünn
war, und warf mich kurzerhand ins Hafenbecken. Da man mir aber den Halsreif
nicht entfernt hatte, erkannte mich die Besatzung eines benachbart vor Anker
liegenden Langschiffes sogleich als lohnendes Handelsobjekt und fischte mich
aus dem schmutzigen Brackwasser. Mein ehemaliger Peiniger brüllte noch
hinterher: „Lasst ihn absaufen, den kauft euch sowieso keiner ab! Selbst
Thors Hammer erblasst vor diesem Donnerschlaf!!!“
„PLING!“ schallte es neben meinem Ohr und
der Hammer öffnete den Niet meines Halsreifens und befreite mich damit von
der Last meines dreijährigen Daseins als Rudersklave. „Erheb dich,
Bruderherz,“ sagte Thoranor grinsend „und komm mit in dein neues Leben.“
Gesagt, getan! Thoranor führte mich zu
seiner derzeitigen Lagerstadt in Haithabu. Unterwegs erzählte er mir von dem
Marketendertross, mit dem er zur Zeit umherzog. Es klang zwar wenig
verlockend, aber da ich nichts besseres zu tun hatte und Thoranor darauf
bestand, dass ich meinen Kaufpreis bei ihm abarbeitete entschied ich mich,
mich ebenfalls dem Berlicumer Marketendertross anzuschließen...
CHRRR... CHRRRR... „Thoralf!!!
Komm zu dir!!!“ brüllte Arnulf in
mein Ohr. „Wie oft hab ich Dir gesagt, dass Du nicht aus Lanes Bechern
naschen sollst? Seih froh, dass du noch mal zu dir gekommen bist!“ sprachs
und wandte sich zum Gehen. Über die Schulter brummte er noch: „Und wenn du
schon wach bist, kannst du deinem Bruder auch beim Beladen helfen!“